Weinet ihr betrübten augen!

Weil der mund nicht reden kan.

Sylvia speyt voller wahn /

Da ich ihr doch nichts gethan.

Weinet ihr betrübten augen!

 

Weinet ihr betrübten augen!

Schmerz und leiden ist zu groß;

Denn der himmel / dessen schooß

Neulich mir mit zucker floß /

Läßt nun alle donner loß.

Weinet ihr betrübten augen!

 

Weinet ihr betrübten augen!

Und verhüllet euer licht;

Krieg und unruh wird geschlicht /

Marmel / stahl und eisen bricht /

Aber meine schmerzen nicht.

Weinet ihr betrübten augen!

 

Weinet ihr betrübten augen!

Weinet aber nichts / als blut /

Und bewegt den harten muth;

Denn was meine göttin thut /

Macht kein schlechtes wasser gut.

Weinet ihr betrübten augen!


Das Gedicht "An Sylvien, über ihrer Veränderung..." stammt von   (1665 - 1729).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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