Gestern ist nicht heute mehr: Es ist weg, es ist dahin.

Es verspührt, empfindet, fühlet, sieht und höret unser Sinn

Nichts von seiner Gegenwart. Gestern ist, wie ein Geschrey,

Das im Augenblick verschwindet, auch verschwunden und vorbey.

Alles gestrige Vergnügen, Lachen, Fröhlichkeit und Schertz

Ist nunmehr ein leeres Nichts. Aber auch ein bittrer Schmertz,

Der uns gestern drückt′ und fraß, der uns Marck uns Bein durchwühlet,

Hat mit gestern aufgehört, und wird heute nicht gefühlet.

Eines Reichen fröhlichs Gestern ist mit allem seinen Prangen,

Und des Armen elend Gestern auch mit aller Noth vergangen.

Beydes bringt besondern Trost. Denn die kurtze Daur der Freuden

Tröstet alle, die nicht glücklich: Und, die Pein und Schmertzen leiden,

Werden ungemein gestärckt, wenn sie dieses überlegen,

Und die unleugbare Wahrheit dieser Lehre wohl erwegen:

 

Indem du gestern keine Plagen

Mehr fühlen kannst, noch darfst ertragen;

So mind′re Kummer und Verdruß,

Und kräncke dich nicht mehr so sehr auf Erden.

Es wird, mit ungehemmtem Fluß,

Ein jedes Heute Gestern werden.


Das Gedicht "Der Tag, der gestern vergangen" stammt von   (1680 - 1747).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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