Mutter Erde! Deutsche Erde!

Hörst du nicht? Der Frühling kam!

Gottes Bote rief das Werde!

Schüttle ab den Wintergram!

 

Deine See′n, sie rauschen mächtig,

Deine Ströme ziehn geschwind,

Deine Wälder grünen prächtig,

Und die Luft ist süß und lind!

 

Mutter Erde! Deutsche Erde!

Ob dein Ohr es nicht vernahm?

Gottes Bote rief das Werde!

Schüttle ab den Wintergram!

 

Deine Vögel singen Lieder,

Und allüberall ist′s Mai!

Deine Rosen blühen wieder,

Deine Schmerzen sind vorbei!

 

Mutter Erde, deutsche Erde,

Trotz der holde Frühling kam,

Blickt aus deinen Felsenrunzeln

Noch der alte Wintergram.

 

Deine Söhne sind so fleißig,

So gehorsam und so treu!

Alle, alle Neununddreißig

Dichten Lieder auf den Mai.

 

Liebe, gute Mutter Erde

Hörst du nicht? der Frühling kam!

Nein! trotz Gottes neuem Werde

Bleibt im Antlitz ihr der Gram.


Das Gedicht "Unser Frühling" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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