Wende die Blicke von mir! O laß Deine Schönheit nicht fragen:
Ob ich die Sonne gekannt? ob nie ihr Strahl mich berührt?
Lass dieses dämmernde Licht, genug, um den Pfad zu erkennen,
Tag und Aurora mir sein; frage auch schweigend mich nicht!

Ach, Deine Jugend entzückt, indem sie die Öde beseeligt,
Zu allgefährlichem Rausch - scheuchet Dämonen mir auf!
Träume umängsten den Sinn, von lang schon entflohenen Tagen,
Voller Leben und Glanz, voll auch von ätzender Pein.

Ruhe ward mir ja längst, ich lebe beglückend und glücklich,
Scherze mit Liebchen und Kind, walte in Garten und Haus;
Wär' ich noch, was ich sonst war! verstünd' es, die Strahlen zu fassen,
Zündete Phöbus den Heerd, den die Penaten geschmückt,
Wäre befriedigt mein Herz, noch was es im Kampfe gewesen,
Rede stünd' ich Dir dann, dürfte ins Auge Dir sehn!

Schleiche Dich leise hinweg, mit lichtumschimmerten Sohlen
Bring' in die Ferne das Glück, das Deiner Anmuth entströmt,
Bringe der Grazien Traum zu weit entlegenen Zonen,
Ströme in Tränen dahin, wenn Deine Wonne zerbricht;

Dürft' ich in rasendem Schmerz noch einmal die Wollust empfinden,
Welten und Menschen zum Trotz kindisch und selig zu sein!
Wär' ich sekundenlang ich und träumte von ewiger Dauer,
Böt' ich nicht Ruhe und Glück einer Minute zum Kauf?


Das Gedicht "Wende die Blicke von mir!" stammt von   (1797 - 1849).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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