Ich hatt' ihn lang nicht mehr gesehen –

Und mich beinahe todt gesehnt;

Ich kam zurück zu ihm –

Und habe mich glücklich gewähnt.

 

Drei Stunden stand ich vor dem Thor

Im Regen pudelnaß

Und holte mir einen Schnupfen

Und Husten so zum Spaß.

 

In später Nacht kam er nach Haus

Und lud' mich mit Müh' nur ein;

Erzählte, er habe Kopfweh

Von schlechtem Ofnerwein.

 

Dann sprach er von seinem Windspiel,

Daß es kein schön'res gibt;

Und dann von einer Todten,

Die er vor Zeiten geliebt. –

 

Wir gingen plaudernd zu Bette,

Er schlief sehr bald auch ein;

Ich aber mußte noch lange,

Sehr lange wach noch sein.

 

Der Mond schien still durch's Fenster,

Goß über den Schläfer sein Licht

Und sah, wie ich weinend küßte

Des blassen Mannes Gesicht.


Das Gedicht "Wiedersehen" stammt von   (1839 - 1901).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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