Ich lausche lange oft in einer Ecke,
Bis ich auf der Terrasse Dich erspähe;
Du aber ahnest nimmer meine Nähe,
Ahn′st nicht die Qualen, die ich mir erwecke.
Du hüllest Dich in Deine weichen Tücher
Und trällerst leichthin Deine weichen Lieder,
O komm′ zu mir, - komm′ wieder, - komme wieder! -
Ich schaffe Gold - ich denke große Bücher;
Verlaß′ dies Haus, ich will ein Neues bauen,
Ich will für Deinen Putz mich stündlich mühen,
Von Dir begeistert soll mein Lied erglühen,
Ich kann nicht dichten, ohne Dich zu schauen! -
Was ruhelos zu Dir mich hingetrieben,
Was ich ersticken wollt′ mit eitlem Lachen, -
Nur Deine Nähe konnt′ es klar mir machen:
Es ist mein tiefes, wahres, bestes Lieben ...
Das Gedicht "Ich lausche lange oft in einer Ecke" stammt von Ada Christen (1839 - 1901).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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