Hast du mit dem Apotheker Streit,

Es dem Arzt zu klagen vermeid;

Hast du über den Arzt zu klagen,

Sollst du′s nicht dem Apotheker sagen;

Denn sind sie auch Feinde immerdar,

So werden sie Freund am neuen Jahr,

Verkünden: der hat dies gesagt,

Und mir hat er von dir geklagt.

Wirst du nun krank in den ersten Wochen,

Die Arznei sie zusammen kochen:

 

»Recipe: Was er uns getan,

Rühren wir ihm jetzt doppelt an;

Zwanzig Drachmen von seinen Klagen

Mit asa foetida für den Magen.

Misceatur, detur, nebst unsrem Groll,

Alle Stunden zwei Löffel voll.«

 

Und stirbst du nicht in der Blütezeit

Ihrer neuen Herzinnigkeit,

Lassen sie dich so lange liegen

Bis sie selbst wieder Händel kriegen.

 

Merke: Zweier Gegner Klagen

Mußt du nicht hin und wider tragen;

Weißt nicht ob, die geschieden scheinen,

Sich nachmals gegen dich vereinen.


Das Gedicht "Regel für Kranke" stammt von   (1802 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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