O bleibe treu den Toten,

Die lebend du betrübt;

O bleibe treu den Toten,

Die lebend dich geliebt!

 

Sie starben; doch sie blieben

Auf Erden wesenlos,

Bis allen ihren Lieben

Der Tod die Augen schloß.

 

Indessen du dich herzlich

In Lebenslust versenkst,

Wie sehnen sie sich schmerzlich.

Daß ihrer du gedenkst!

 

Sie nahen dir in Liebe,

Allein du fühlst es nicht;

Sie schaun dich an so trübe,

Du aber siehst es nicht.

 

Die Brücke ist zerfallen;

Nun mühen sie sich bang,

Ein Liebeswort zu lallen,

Das nie hinüberdrang.

 

In ihrem Schattenleben

Quält eins sie gar zu sehr:

Ihr Herz will dir vergeben,

Ihr Mund vermag′s nicht mehr.

 

O bleibe treu den Toten,

Die lebend du betrübt;

O bleibe treu den Toten,

Die lebend dich geliebt!


Das Gedicht "O bleibe treu den Toten" stammt von   (1817 - 1888).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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