Abend wird’s, des Tages Stimmen schweigen,
  Röter strahlt der Sonne letztes Glühn;
Und hier sitz’ ich unter euren Zweigen,
  Und das Herz ist mir so voll, so kühn!
Alter Zeiten alte treue Zeugen,
  Schmückt euch doch des Lebens frisches Grün,
Und der Vorwelt kräftige Gestalten
Sind uns noch in eurer Pracht erhalten.

Viel des Edlen hat die Zeit zertrümmert,
  Viel des Schönen starb den frühen Tod;
Durch die reichen Blätterkränze schimmert
  Seinen Abschied dort das Abendrot.
Doch um das Verhängnis unbekümmert,
  Hat vergebens euch die Zeit bedroht,
Und es ruft mir aus der Zweige Wehen:
»Alles Große muß im Tod bestehen!«

Und ihr habt bestanden! - Unter allen
  Grünt ihr frisch und kühn mit starkem Mut.
Wohl kein Pilger wird vorüberwallen,
  Der in eurem Schatten nicht geruht.
Und wenn herbstlich eure Blätter fallen:
  Tot auch sind sie euch ein köstlich Gut.
Denn verwesend werden eure Kinder
Eurer nächsten Frühlingspracht Begründer.

Schönes Bild von alter deutscher Treue,
  Wie sie bessre Zeiten angeschaut,
Wo in freudig kühner Todesweihe
  Bürger ihre Staaten festgebaut.
Ach was hilft’s, daß ich den Schmerz erneue?
  Sind doch alle diesem Schmerz vertraut!
Deutsches Volk, du herrlichstes von allen,
Deine Eichen stehn, du bist gefallen!


Das Gedicht "Die Eichen" stammt von   (1791 - 1813).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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