(15. Oktober 1880)

 

Ersehnter Tag! Inmitten lichten Glanzes

Erhebt sich Pfeilerwald und Schiff und Chor,

Aus der Umgrenzung eines Zinnenkranzes

Ins Unbegrenzte steigt der Knauf empor;

Aus Teil- und Stückwerk endlich ward ein Ganzes,

Und Furcht erlag, und Zweifelsucht verlor,

Und mit den Türmen schwingt sich auf nach oben

Ein Lobgesang: Laßt uns den Herren loben!

 

Und wer ihn hört, aufjubelnder erscholl er

In keiner Stund′, an keiner Stelle wohl,

Und alle Pulse schlagen freud′ger, voller:

Ein Ideal, es ward uns zum Idol;

Eins wurde Hohenstauf und Hohenzoller,

Und dieser Dom ist dessen uns Symbol,

Und wie nach Maß und Schönheit ohnegleichen,

Ist er zugleich uns unsrer Einheit Zeichen.

 

Ein Einheits-Zeichen! Ach, und doch gespalten,

Uneinheitlich des Volkes Herz und Sinn -

Ersehnter Tag, in deines Mantels Falten

Nimm, eh′ du scheidest, unsren Zwiespalt hin!

Laß Einigkeit aus Einheit sich gestalten,

Aus ihr erblüht der größere Gewinn,

Und klingst du, hohe Kaiserglocke, heute:

Versöhnung, Friede sei dein erst Geläute!


Das Gedicht "Zum Kölner Domfest" stammt von   (1819 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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