Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben,

vor dem das Beste selbst zerfällt,

und wahre dir den vollen Glauben

an diese Welt trotz dieser Welt.

 

Schau hin auf eines Weibes Züge,

das lächelnd auf den Säugling blickt,

und fühl’s: es ist nicht alles Lüge,

was uns das Leben bringt und schickt.

 

Und, Herze, willst du ganz genesen,

sei selber wahr, sei selber rein!

Was wir in Welt und Menschen lesen,

ist nur der eigene Widerschein.

 

Beutst du dem Geiste seine Nahrung,

so laß nicht darben sein Gemüt,

des Lebens höchste Offenbarung

doch immer aus dem Herzen blüht.

 

Ein Gruß aus frischer Knabenkehle,

ja mehr noch eines Kindes Lall’n

kann leuchtender in deine Seele

wie Weisheit aller Weisen fall’n.

 

Erst unter Kuß und Spiel und Scherzen

erkennst du ganz, was Leben heißt;

o lerne denken mit dem Herzen,

und lerne fühlen mit dem Geist.


Das Gedicht "Glaube an die Welt" stammt von   (1819 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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