Das große Liecht der Welt entzeücht sich nun der Erden /

und eylet fort ins Meer / mit seinen müden Pferden;

man hängt die Fenster zu / weil Morpheus komt heran /

eß sehnt sich nach dem Schlaff / was Odem blasen kan;

Man sieht der Sternen Heer mit ihrem Golde prangen;

Auch Luna zeiget uns das Silber ihrer Wangen

die Schaffe gehn zu Stall / der Schäffer geht zur Ruh;

eß regt sich niemand mehr / die Blumen tuhn sich zu;

Die Welt ist schon zu Bett / umringt mit vielen Träumen /

Ich aber nur allein / ich geh hier bey den Bäumen /

da weit und breit herum / der Tau / das Kind der Nacht /

sampt meiner Zehren=qvell die Gräser feüchter macht.

Hier lass ich mein Gedicht / mein Traurgedicht erklingen /

und hebe niedrig an / auff Deutsch also zu singen.

 

Mars / O Mars / bistu der Mann /

denn das ganze diser Erden /

Jezt muß pflicht= und dienstbar werden/

der uns Seuffzen lehren kan?

Ich gedacht / Ich wolt alhier /

bey den liebsten Freunden bleiben /

und mit ihn′n die Zeit vertreiben /

wer gedachte da an dihr?

In dem triffstu unsre Stadt /

daß der werten Freunde hauffen

mehrstes teils davon gelauffen /

O der zweymahl grimmen Taht!

Ich weiß nicht / wie mir geschehn /

Ey / wo sind doch meine Lieben?

Wo ist der und der geblieben?

Läst sich hier denn niemand sehn?

Auff den Gassen ist Geschrey:

Cloris sizt schon auff dem Wagen /

Galathee lest mir sagen /

daß sie schon von hinnen sey.

Hie läufft der / und hohlt den Paß /

Jener geht das Schiff zu frachten /

Seumsahl wil man ganz verachten /

hie hilfft keiner Augen naß.

Ich bin nicht mehr / die ich bin /

wündsch Euch andern Glük zum Reisen /

wolt euch selbst den Weg zwar weisen /

doch man lest mich nicht dahin.

O diß hat der Krieg gemacht!

Phebus steiget auff und nieder /

Galathe kombt schwerlich wieder /

gibt sie einmahl guhte Nacht.

Gerne schryb ich weiter fort /

doch die Faust wil mir erkalten /

und kan kaum die Feder halten /

guhte Nacht du liebster Ort.


Das Gedicht "Nacht=Klage über den überverhofften betroffenen Abscheid ihrer lieben Freunde" stammt von   (1621 - 1638).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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