Ich / der ich sonsten pflag von schlechten Dingen schreiben /

bin gänzlich umgekehrt / nun muß mein Lob wohl bleiben /

und grünen wie ein Zweig / iezt wil ich meinen Sinn /

von dem / das niedrig ist / biß in die Wolcken ziehn.

Die Göttin Fama wil mir selber Flügel geben /

die immer für und für am hellen Himmel kleben /

und wo der Venus Sohn hinfüro schiessen wil

nach mir / so raht ich / daß er in die Wolcken Ziel.

Da soll mein Ball=Plaz seyn / da soll das Glüder fliegen /

wie Spreu / das brennen muß / und allzeit unten ligen.

Die Clio bindet mir schon selbst die Lohrbeer=Kron /

die Ewig grünen wird / nun soll die Kunst den Lohn

erlangen / recht; So muß ein freyer Sinn bekleiben;

nuhn / ich will immer auch bey meinen Worten bleiben /

und steigen mit dem Sinn des Himmels Leiter an /

ein jeder sey bereit / daß er mir folgen kan.


Das Gedicht "Alß sie ein Poëtischer Geist tribe" stammt von   (1621 - 1638).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte