Weil dann der Unholdt gäntzlich mir

Zum Greiffswald nicht will lenger leiden /

So bleibt dennoch mein Hertz alhier /

Undt wirdt sich nimmer von euch scheiden!

Wohin gedenckstu dann mein Sinn?

Ist doch Europa gantz voll Kriegen /

Es ist ja warlich kein Gewinn /

Von einem stets zum andern fliegen.

Zu Fretow wehr es gut genug /

Da Phebus mit den Töchtern sitzet /

Drüm wirt auch Fretow in das Buch

Der greisen Ewigkeit geschnitzet.

Da wehr ich fro undt ausser leit /

Da wolt ich lesen / tichten / schreiben /

Undt so den Nachrest meiner Zeit

Mit ohnverfälschter Trew vertreiben.

Itzt aber wil die Kriegerey

Zu Fretow keinen Menschen dulden /

Kein Ort ist von den Straffen frey /

Die ich undt du / undt der vorschulden.

Ich sag und klage für undt für /

Das manche lange Nacht verflossen /

Seit das ich auß der Frewden Thür

Bin gantz undt gahr hinauß gestoßen.

Was klag ich aber / weiß ich doch /

Das meiner Augen heisse Zähren

Nicht lindern dieses schwere Joch /

Noch meinem Elend mögen wehren.

Dan Trauren machet nur Verdruß;

Laß alle rauhe Winde wehen /

Laß sterben / wer da sterben muß /

Was wündscht man viel den Todt zusehen?

Dem Menschen ist gesetzt ein Ziel /

Das kan er auch nicht überschreiten /

Drüm ruff nur nicht den Todt zu viel /

Er schleicht dir nach auff allen seiten.

Was Odem bläst wirt nun geplagt /

Kein Mensche fült itzund genügen;

Man hört nicht mehr das einer fragt:

Wo mag der Weg nach Fretow liegen?

Nun gute Nacht / mein Vaterlandt!

Da weylandt große Lust zu schawen /

Ich muß mich nun Neptunus Handt /

Und Thetis saltzen Schoß vertrawen.

Gehab dich wohl / du werte Schar

Der Schwieger= und der Schwägerinnen!

Wer wirt nun mit euch übers Jahr

Ins Dannenholtz spatzieren künnen?

Wans euch nun geht / wie ihr begehrt /

Wen euwer Weinen wirt zu Lachen /

So denckt dan auch eins ohn beschwert

Was mag doch unsre Lybis machen?


Das Gedicht "Auff Ihren Abscheid auß Greiffswald (Gesang)" stammt von   (1621 - 1638).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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