Der Himmel kreist, dir schwankt das Land,

vom Schnellzug hin und her geschüttelt

saust Ackerland um Ackerrand,

ein Frösteln hat dich wachgerüttelt:

die Morgensonne kommt.

 

Mühsam entstiebt dem Nebelzelt

ein Krähnvolk, herbstlich abgemagert,

indes sich dick aufs Düngerfeld

der Frührauch der Fabriken lagert;

die Morgensonne kommt.

 

Schwarz schiebt sich durch den grauen Flor

ein langer Zug von Schlackenbergen,

Schornstein an Schornstein schnellt empor,

schreckhafte Hüter neben Särgen;

die Morgensonne kommt.

 

Vom Horizont her nahn mit Hast

und einen sich zwei Straßendämme,

von Apfelbäumen eingefaßt,

schon blaß beglänzt die knorrigen Stämme;

die Morgensonne kommt.

 

Jach folgt zum andern Himmelssaum

dein Blick den fruchtberaubten Zweigen,

und plötzlich siehst du Baum an Baum

sein brandrot glühendes Laub dir zeigen:

der Tag ist da!


Das Gedicht "Drohende Aussicht" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte