Wie zuletzt, in einem Augenblick

aufgehäuft aus Hängen, Häusern, Stücken

alter Himmel und zerbrochnen Brücken,

und von drüben her, wie vom Geschick,

von dem Sonnenuntergang getroffen,

angeschuldigt, aufgerissen, offen -

ginge dort die Ortschaft tragisch aus:

 

fiele nicht auf einmal in das Wunde,

drin zerfließend, aus der nächsten Stunde

jener Tropfen kühlen Blaus,

der die Nacht schon in den Abend mischt,

so daß das von ferne Angefachte

sachte, wie erlöst, erlischt.

 

Ruhig sind die Tore und die Bogen,

durchsichtige Wolken wogen

über blassen Häuserreihn

die schon Dunkel in sich eingesogen;

aber plötzlich ist vom Mond ein Schein

durchgeglitten, licht, als hätte ein

Erzengel irgendwo sein Schwert gezogen.


Das Gedicht "Landschaft" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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