Du im Voraus

verlorne Geliebte, Nimmergekommene,

nicht weiß ich, welche Töne dir lieb sind.

Nicht mehr versuch ich, dich, wenn das Kommende wogt,

zu erkennen. Alle die großen

Bilder in mir, im fernen erfahrene Landschaft,

Städte und Türme und Brücken und un-

vermutete Wendung der Wege

und das gewaltige jener von Göttern

einst durchwachsenen Länder:

steigt zur Bedeutung in mir

deiner, Entgehende, an.

 

Ach, die Gärten bist du,

ach, ich sah sie mit solcher

Hoffnung. Ein offenes Fenster

im Landhaus -, und du tratest beinahe

mir nachdenklich heran. Gassen fand ich, -

du warst sie gerade gegangen,

und die Spiegel manchmal der Läden der Händler

waren noch schwindlich von dir und gaben erschrocken

mein zu plötzliches Bild. - Wer weiß, ob derselbe

Vogel nicht hinklang durch uns

gestern, einzeln, im Abend?


Das Gedicht "Du im Voraus verlorne Geliebte" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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