Liebes, lass die Rose uns schauen,
die heut früh mochte anvertrauen
der Sonne ihr Purpurgewand,
ob wohl bleichte die Dämmerstunde
den Purpur an ihrem Blütenmunde,
und ihr Teint, deinem so gleich, hinschwand.

Ach, sieh nur, wie in so kurzer Zeit,
mein Herz, verschliss ihr Blumenkleid,
und all die Blüten sind hingeschneit.
Wie grausam ist das Herz der Natur,
solches Schöne dauert ja nur
vom Morgen bis zur Abendzeit.

Wolle mir glauben, mein Herzenskind,
solang deine Jugend noch blüht so lind
unter Frühlings grünen Zeichen,
pflück die Früchte dir in den Schoß:
Das Alter sieh an der Rose Los,
es wird deine Blume bleichen.


Das Gedicht "Mignonne" stammt von   (1524 - 1585).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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