Wie trüg′ ich wohl ein Fernverlangen,
da hier der Tag in Rosen blüht,
die Sonne mich erweckt mit Prangen
und mir am Abend sanft verglüht?
Vom Garten schon in früher Stunde
herüberträgt der Morgenwind
ein Lied aus froher Kinder Munde -
wie singt so hell mein eignes Kind!
Der Mittagsruf klingt durch die Saaten.
Wie Arbeit Stirn und Hände bräunt!
Es winkt, vom Werk sich zu beraten,
zum Heimweg mir ein ernster Freund.
Wie trüg′ ich wohl ein Fernverlangen,
da du mein Rebenhaus bewohnst
und mir mit liebendem Umfangen
am Abend jede Mühe lohnst.
Beseligt von des Tags Geschenken,
genieß′ ich sein in später Ruh′.
Ein letztes, leises Überdenken -
und träumend fällt die Wimper zu.
Das Gedicht "Genügen" stammt von Otto Ernst (1862 - 1926).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
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