Noch eine Nacht - und aus den Lüften

Herniederströmt das goldne Licht

Der wundersamen Weihnachtsfreude,

Verklärend jedes Ungesicht.

Und wieder klingt die alte Sage:

Wie einst die Lieb′ geboren ward,

Die unbegrenzte Menschenliebe

In einem Kindlein hold und zart.

 

Nun zieht ein süß erschauernd Ahnen

Durch Höhn und Tiefen, Flur und Feld.

Nun deckt geheimnisvoll ein Schleier

Des trauten Heimes kleine Welt.

Dahinter strahlt′s und lacht′s und flimmert′s

Und ist der süßen Rätsel voll,

Durch alle Räume weht ein Odem

Der Freunde, die da kommen soll.

 

Und draußen nicken Bäum′ und Büsche

So leis′ winterklarer Luft:

Die Kunde kommt, dass neues Leben

Sich wieder regt in tiefer Gruft.

Es knarrt die Eiche vor dem Fenster,

Sie träumt von langer Zeiten Lauf;

Da steigt wohl auch ein froh′ Erinnern

In ihre Krone still hinauf.

 

O weilt, ihr jugendschönen Stunden,

Verweile du, der Hoffnung Glück!

Vermöcht′ ich′s nur: mit allen Kräften

Der Seele hielt′ ich dich zurück.

Ihr süßen Träume es Erwartens,

Der Wunder und Gedicht voll,

Ihr seid noch schöner als der Jubel,

die Freude, die da kommen soll.


Das Gedicht "Erwartung der Weihnacht" stammt von   (1862 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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