(nach einem alten Holzschnitt)

 

Lehnst an meine Schulter du

Sanft dein Haupt mit Schweigen,

Spiel ich dir ein altes Lied

Auf der alten Geigen.

 

Und die Seele, mild gerührt

Ob dem süßen Klingen,

Fliegt zum hellen Abendrot

Auf der Hoffnung Schwingen.

 

Und im Auge dir und mir

Glänzt die stille Frage:

Bleiben Lieb′ und Seligkeit

Bei uns alle Tage?

 

Wenn die Rosen sind verblüht,

Wenn die Saiten sprangen,

Wird ob unserm Haupte dann

So der Himmel prangen? -

 

Stumm noch lauschst du meinem Lied,

Ob ich schon geendet;

In die Weite traumeshell

Ist dein Blick gewendet.


Das Gedicht "Abend" stammt von   (1862 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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