Zu Gelnhausen an der Mauer

Steht ein steinern altes Haupt

Einsam in dem Haus der Trauer,

Das der Epheu grün umlaubt.

 

Und das Haupt, es scheint zu sprechen:

Starb die ganze deutsche Welt?

Will kein Mann die Unbill rächen,

Bis der Erde Bau zerfällt?

 

Und das Haupt, es scheint zu grüßen

Fragend uns halb streng, halb mild;

Laß es uns in Demuth küssen,

Das ist Kaiser Friedrichs Bild.

 

Herrlich hat sein Schloß gestanden

Hier vor langer ferner Zeit,

Als er nach den Morgenlanden

Zog in Gottes heil′gem Streit.

 

Rothbart, wie so fest gebunden

Hält ein Zauber dich gebannt?

Fließt hier Blut aus offnen Wunden,

Sind das Thränen an der Wand?

 

Alter Herr, ich kann dir melden

Reiches, schönes Freudenwort.

Schau, dort zielen viel tausend Helden

In die Schlachten Gottes fort.

 

Und die Welschen sind geschlagen,

Und es siegt das heil′ge Kreuz,

Wieder kehrt aus deinen Tagen

Lebensfülle, Lebensreiz.

 

Magst nun dich zur Ruhe legen,

Altes stolzes Kaiserhaupt,

Deine Kraft, dein Waffensegen

Wird uns nimmermehr geraubt! -


Das Gedicht "Das Bild in Gelnhausen" stammt von   (1783 - 1817).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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