Schlaf, süßer Knabe, süß und mild!

Du deines Vaters Ebenbild!

Das bist du; zwar dein Vater spricht,

Du habest seine Nase nicht.

 

Nur eben itzo war er hier

Und sah dir ins Gesicht,

Und sprach: "Viel hat er zwar von mir,

Doch meine Nase nicht."

 

Mich dünkt es selbst, sie ist zu klein,

Doch muß es seine Nase sein;

Denn wenn′s nicht seine Nase wär,

Wo hättst du denn die Nase her?

 

Schlaf, Knabe, was dein Vater spricht,

Spricht er wohl nur im Scherz;

Hab immer seine Nase nicht,

Und habe nur sein Herz!


Das Gedicht "Die Mutter bei der Wiege" stammt von (* 1740-08-15, † 1815-01-21).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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