Das blinde Liebeswerck / die süsse Gifft der Sinnen /

Vnd rechte Zauberey hat letzlich hier ein End′:

Es wird das lose Kind so mich verführen können /

Gott lob / jetzt gantz vnd gar von mir hinweg gewendt.

Nun suche wo du wilt dir anderwerts Poeten;

Hier / Venus / hab′ ich mir gesteckt mein eignes Ziel;

Es ist mir deine Gunst jetzt weiter nicht von nöthen;

Ich haß′ all′ Eitelkeit; es liebe wer da wil.

Was meine schwache Hand vor dieser Zeit geschrieben /

Durch deinen Geist geführt / das ist der Jugend schuld;

Ich werde weiter nicht von solcher Lust getrieben;

Was dir gehässig ist zu diesem trag′ ich huld.

Wann Vrtheil vnd Verstand bey mir zu rathe sitzen /

So hattest du mir zwar bethört den jungen Sinn:

Jetzt seh′ ich daß dein Sohn sey ohne wahn vnd Witzen /

Du aber / Venus / selbst ein′ edle Kuplerinn.

Dein Wesen ist ein Marckt da Leid wird feil getragen /

Ein Winckel da verdruß vnd Wehmuth jnnen steht /

Ein′ Herberg′ aller Noth / ein Siechhauß vieler Plagen /

Ein Schiff der Pein / ein Meer da Tugend vntergeht.

Wo soll die Schönheit seyn / wann alles wird vergehen /

Die Lippen von Corall / diß Alabaster Bild /

Die Augen so jhr seht gleich als zwo Sonnen stehen /

Der rothe Rosenmund / der weissen Brüste Schild?

Sie sollen / vnd wir auch als Asch′ vnd Staub entfliehen /

Vnd allzugleiche gehn den Weg der Eitelkeit:

Pracht / Hoffart / Gut vnd Geld / vmb das wir vns so mühen /

Wird Wind vnd Flügel noch bekommen mit der Zeit.

Ich laß′ es alles stehn: das Ende meiner Jugend /

Vnd Frucht der Liebeslust beschließ′ ich gantz hierein:

Ein Werck das höher ist / der Anfang meiner Tugend /

Ob dieses gleich verdirbt / soll nimmer sterblich seyn.


Das Gedicht "Beschluß Elegie." stammt von   (1597 - 1639).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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