1.

 

Es spürt mich Einer in allem Rosenduft,

Ahne ich manchmal. Und er sucht mich auch

In Fliederblüten und den blauen Glocken.

Aber ich weiß mich selber nicht.

 

Ich will ihm gerne beide Hände reichen;

Nur meine Glieder sind so unbeschwert,

Daß ich mir immer wie ein Wind entgleite.

Ich glaube, daß ich noch nicht geboren bin.

 

2.

 

Einmal aber werde ich sein.

Ganz plötzlich. Wie von einem Stern

Der helle Stein zur Erde fällt,

Wird tief mein Name in ihn fallen.

 

Der vordem ging durch alle Gärten schwer

Und träumte mich, gab mir Gesicht

Und Leib und Lächeln, als er gläubig rief:

Ich fand mich atmen.

Und erstaunte tief.

 

3.

 

Aber es hängt vor allem Frühling

Ein sanfter Schleier wie Herbst.

Oder wurden meine Augen grau?

Nie blendet mich der Tag.

 

Ward ich der blassen Erde zart vertraut,

Oh unsrer Liebe nahe Bitternis!

Einmal werd ich der tiefste Schatten sein,

Der sie befiel.


Das Gedicht "Das Mädchen spricht" stammt von   (1899 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte der Autorin:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte