Mama schöpft aus dem Punschgefäße,

Der Vater lüftet das Gesäße

Und spricht: »Jetzt sind es vier Minuten

Nur mehr bis zwölfe, meine Guten.

 

Ich weiß, daß ihr mit mir empfindet,

Wie dieses alte Jahr entschwindet,

Und daß ihr Gott in seinen Werken

– Mama, den Punsch noch was verstärken! –

 

Und daß ihr Gott von Herzen danket,

Auch in der Liebe nimmer wanket,

Weil alles, was uns widerfahren

– Mama, nicht mit dem Arrak sparen! –

 

Weil, was geschah, und was geschehen,

Ob wir es freilich nicht verstehen,

Doch weise war, durch seine Gnade

– Mama, er schmeckt noch immer fade! –

 

In diesem Sinne meine Guten,

Es sind jetzt bloß mehr zwei Minuten,

In diesem gläubig frommen Sinne

– Gieß noch mal Rum in die Terrine! –

 

Wir bitten Gott, daß er uns helfe

Auch ferner – Wie? Es schlägt schon zwölfe?

Dann prosit! Prost an allen Tischen!

– Ich will den Punsch mal selber mischen.«


Das Gedicht "Neujahr bei Pastors" stammt von   (1867 - 1921).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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