Väter, hört mich, Mütter, hört die Mahnung,

Jetzt kommt wieder jene Zeit - versteht! -,

Wo so manche Tugend ohne Ahnung

Der Besitzerin abhanden geht.

 

Beutesuchend schleicht umher das Laster;

Wer ist sicher, daß ihm nichts geschieht,

Wenn man jetzt der Busen Alabaster

Und beim Hofball auch die Nabel sieht?

 

Von den Blicken kommt es zur Berührung,

Irgendwo zu einem Druck der Hand,

Und so manches Mittel der Verführung

Sei aus Scham hier lieber nicht genannt!

 

Wenn an hochgewölbte Männerbrüste

Sich das zarte Fleisch der Mädchen drängt,

Regen sich von selbst die bösen Lüste

Und was sonst damit zusammenhängt.

 

Darum Eltern, wenn die Geigen klingen

Und die Klarinette schrillend pfeift,

Hütet eure Tochter vor den Dingen,

Die sie hoffentlich noch nicht begreift!


Das Gedicht "Karneval" stammt von   (1867 - 1921).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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