Warum schimpfen Sie, Herr Lizentiate,

Über die Unmoral in der Kemenate?

Warum erheben Sie ein solches Geheule,

Sie gnadentriefende Schöpsenkeule?

 

Ezechiel und Jeremiae Jünger,

Was beschmeußen Sie uns mit dem Bibeldünger?

Was gereucht Ihnen zu solchem Schmerze,

Sie evangelische Unschlittkerze?

 

Was wissen Sie eigentlich von der Liebe

Mit Ihrem Pastoren-Kaninchentriebe,

Sie multiplizierter Kindererzeuger,

Sie gottesseliger Bettbesteuger? .

 

Als wie die Menschen noch glücklich waren,

Herr Lizentiate, vor vielen Jahren,

Da wohnte Frau Venus im Griechenlande

In schönen Tempeln am Meeresstrande.

 

Man hielt sie als Göttin in hohen Ehren

Und lauschte willig den holden Lehren.

Sie reden von einem schmutzigen Laster,

Sie jammerseliges Sündenpflaster!

 

Sie haben den Schmutz wohl häufig gefunden

In Ihren sündlichen Fleischesstunden

Bei Ihrem christlichen Eheweibchen?

In Frau Pastorens Flanellenleibchen?


Das Gedicht "An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine" stammt von   (1867 - 1921).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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