Du bist der Regenbogen - ausposaunt

Ist seine Schönheit allen Ohren,

Von Neuem aber unser Auge staunt

In seine Farbenpracht verloren.

 

Du bist der Blitz, der von der Wetterlast

Die bange Erde oft entbindet -

Und doch hat dein Gedanke, frisch erfaßt,

Mir immer neu ins Herz gezündet.

 

Du bist der sonnbeglänzte Wasserfall,

So oft beschaut, so vielbewundert -

Versunken in den reichen Glanz und Schall

Steht vor ihm jegliches Jahrhundert.

 

Du bist der ewige, goldne Sommertag;

Die trunkne Welt jauchzt ihm entgegen.

Verehrt sein Schimmer! und sein Donnerschlag!

In seiner Sonne reift der Segen.

 

Du bist das Meer, die wilde Herrlichkeit!

Die Schöpfungsstätte der Gestalten.

Die Schönheit lieh aus seinem Schaum ihr Kleid,

In ihm die ewgen Schrecken walten.


Das Gedicht "Bilder über Shakespeare" stammt von   (1827 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte