Wir leben ganz im Dunkeln,

Uns blühen nicht Ranunkeln

Und Mädchen glühn uns nicht.

Wir sind von Gott verworfen

Und unter Schmutz und Schorfen

Ist unsre Brust mit Schwefel ausgepicht.

 

Der Rucksack, der ist leer,

Das Hirn von Plänen schwer,

Mit uns will′s niemand wagen.

Wir finden Stell′ und Arbeit nicht,

Der Hunger wie mit Messern sticht

Den Magen.

 

Wir sind dahingezogen

Durch Not und Kot und Dreck.

Der Wind hat uns verbogen,

Das Leben uns belogen,

Die Menschheit warf uns weg.

 

Wir wateten im Schlamm,

Wir kamen an den Damm,

Ein Zug flog hell vorüber,

Ach, niemand rief: Hol über!

Hol über!

 

Es tranken Kavaliere

Im Speisewagen Mumm.

Wir sind nicht einmal Tiere,

Uns wandern Herz und Niere

Ziellos im Leib herum.

 

Den Klotz nun auf die Schienen,

Der Qualen ist′s genug,

Bald kommt der nächste Zug,

Wir wollen was verdienen

- Und sei′s auch nur das Hochgericht.

Wenn wir im Äther baumeln

Und zu den Sternen taumeln,

Sehn wir zum erstenmal das Licht -

Das Licht.


Das Gedicht "Leiferde" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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