1

 

Noch nie hat mir der Herbst so weh getan,

Daß ich mich ohne Freundin blaß begnüge.

Am Bahnhof steh ich oft und seh die Züge

Einlaufen nach des Kursbuchs rotem Plan.

 

Hier kommt ein Zug um fünf und dort um sechs.

Der aus Polzin. Und der aus Samarkand.

So oft ich mich an eine Frau gewandt,

Entfloh sie mit dem Zeichen höchsten Schrecks.

 

Man wundert sich, daß ich so kopflos bin

Und daß ich ohne Beine gehen kann.

Und daß ich ohne Männlichkeit ein Mann,

Und daß ich ohne Sinnlichkeit ein Sinn.

 

2

 

Mich liebt kein Mensch. Ich sitze hier beim Tee.

Es schmerzt das Herz, die Niere tut mir weh.

Die Mädchen, welche mich geschminkt begrüßen,

Sie sind mit großer Vorsicht zu genießen.

 

Sie stellen mit des Abenteuers Buntheit

Anforderung an unsre Gesundheit.

Die ist mir heilig. Etwas andres nicht.

Kein Mensch, kein Tier, kein Stern und kein Gedicht.

 

Wenn ich hier Verse reimend niederschreibe,

Geschieht es nur zu meinem Zeitvertreibe.

Man glaube nicht an Absicht oder Zweck.

Ich bin ein hirnlich infizierter Dreck.

 

Der fiel von einem Pferd, das fern enttrabt.

Ich werde weder gern noch sonst gehabt.

Man sieht durch mich hindurch. Man geht an mir vorbei.

Und niemand hört des Stummen Klageschrei.


Das Gedicht "Der Verzweifelte" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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