Für Carola Neher

 

Zwar es ist schon Mittagszeit,

Sonne steht schon hell am Himmel -

In den Straßen: welch Gewimmel,

In den Herzen: welches Leid -

Manches Segel bauscht der Wind,

Mancher Kutter bleibt im Hafen -

Du sollst schlafen, du sollst schlafen,

Du sollst schlafen, liebes Kind.

 

Siebzigmal littst du Haitang,

Fünfzigmal starbst du Johanna -

Schmecktest Süßigkeit und Manna,

Wenn der Quell der Qualen sprang.

Süßes, junges Blut - es rinnt -

Küsse, Dolche flammten, trafen -

Du sollst schlafen, du sollst schlafen,

Du sollst schlafen, liebes Kind.

 

Einmal endet sich das Spiel,

Einmal endet sich das Grausen,

Und die Ewigkeit wird kühl

Dir um Brust und Schläfen sausen.

Sand deckt dich wie Wolle lind,

Und der Hirte bläst den Schafen -

Du sollst schlafen, du sollst schlafen,

Du sollst schlafen, liebes Kind.


Das Gedicht "Als sie zur Mittagszeit noch schlief" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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