Das Herz ist wie in Schrauben eingepresset,

Und auf die Brust fällt's mit gewalt'ger Wucht,

Die Thrän' ist glühend, die das Auge nässet,

Der Mensch gebeugt, als wie von Gott verflucht.

 

Die Leute schleichen mißtrauisch vorüber,

Als traue keiner selbst dem Bruder mehr,

Die Blicke fliegen ängstlich scheu hinüber

Zum Freund, denn Treue leistet nicht Gewähr.

 

Selbst Gatten sind entzweit ob ihrer Meinung,

Zwisch' Kind und Ältern herrschet Ärgerniß -

Denn durch der Herzen lange Liebeseinung

Riß Politik den unheilbaren Riß.

 

Gar Mancher steht jetzt mit gesunknem Muthe,

Der an dem stillen Grimm zu würgen hat,

Die Blumen riechen nach vergoßnem Blute,

Die schwüle Luft durchsäuselt der Verrath.

 

Was ist's, das so auf die Gemüther drücket,

Die sonst so gern der Freude sich geweiht,

Vom sanften Geist der Eintracht still beglücket?

Es ist der Alp, der schwere Alp der Zeit.


Das Gedicht "Der Alpdruck" stammt von   (1801 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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