Ihr tiefen Seelen, die im Stoff gefangen,

Nach Lebensodem, nach Befreiung ringt;

Wer löset eure Bande dem Verlangen,

Das gern melodisch aus der Stummheit dringt?

Wer Töne öffnet eurer Kerker Riegel?

Und wer entfesselt eure Aetherflügel?

 

Einst, da Gewalt den Widerstand berühret,

Zersprang der Töne alte Kerkernacht;

Im weiten Raume hier und da verirret

Entflohen sie, der Stummheit nun erwacht,

Und sie durchwandelten den blauen Bogen

Und jauchzten in den Sturm der wilden Wogen.

 

Sie schlüpften flüsternd durch der Bäume Wipfel

Und hauchten aus der Nachtigallen Brust,

Mit muthigen Strömen stürzten sie vom Gipfel

Der Felsen sich in wilder Freiheitslust.

Sie rauschten an der Menschen Ohr vorüber,

Er zog sie in sein innerstes hinüber.

 

Und da er unterm Herzen sie getragen,

Heist er sie wandlen auf der Lüfte Pfad

Und allen den verwandten Seelen sagen,

Wie liebend sie sein Geist gepfleget hat.

Harmonisch schweben sie aus ihrer Wiege

Und wandlen fort und tragen Menschenzüge.


Das Gedicht "Die Töne" stammt von   (1780 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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