Oft schon wollt' ich kühn es wagen:

Meine Lieb' ihr zu bekennen,

Wunsch und Sehnen ihr zu nennen,

Aber immer stumm und ferne

Hielt mich unbekanntes Zagen!

Rauh sind Worte! Es zu sagen,

Möcht' ich keine Sprache brauchen;

Leis' in Klänge möcht' ich's hauchen,

Nur in Hauchen möcht' ich's klagen!

Spräch' zu ihr das Licht der Sterne,

Wäre Red' in Blumendüften,

Süße Wort' in linden Lüften,

Rief' ich's ihr entgegen gerne.

Worte würden sie erschrecken,

Und doch möcht' ich, daß sie's wüßte! –

Ihren Zorn fürcht' ich zu wecken,

Daß ich hart es büßen müßte! –

Nun, so sprechet denn, ihr Augen,

Mit den demuthvollsten Blicken;

Scheue Liebe auszudrücken,

Stumme Wünsch' und furchtsam Zagen,

Sollt' ihr ja am besten taugen. –


Das Gedicht "Scheue Liebe" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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