Liebes, leichtes, luft′ges Ding,
Schmetterling,
Das da über Blumen schwebet,
Nur von Thau und Blüthen lebet,
Blüthe selbst, ein fliegend Blatt,
Das, mit welchem Rosenfinger!
Wer bepurpurt hat?
War′s ein Sylphe, der Dein Kleid
So bestreut,
Dich aus Morgenduft gewebet,
Nur auf Tage Dich belebet?
Seelchen, und Dein kleines Herz
Pocht da unter meinem Finger,
Fühlet Todesschmerz.
Fleuch dahin, o Seelchen, sei
Froh und frei,
Mir ein Bild, was ich sein werde,
Wenn die Raupe dieser Erde
Auch wie Du ein Zephyr ist
Und in Duft und Thau und Honig
Jede Blüthe küßt!
Das Gedicht "Das Lied vom Schmetterlinge" stammt von Johann Gottfried von Herder (* 1744-08-25, † 1803-12-18).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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