Tadle nicht der Nachtigallen

Bald verhallend süßes Lied;

Sieh, wie unter allen, allen

Lebensfreuden, die entfallen,

Stets zuerst die schönste flieht.

 

Sieh, wie dort im Tanz der Horen

Lenz und Morgen schnell entweicht;

Wie die Rose, mit Auroren

Jetzt im Silberthau geboren,

Jetzt Auroren gleich erbleicht.

 

Höre, wie im Chor der Triebe

Bald der zarte Ton verklingt.

Sanftes Mitleid, Wahn der Liebe,

Ach, daß er uns ewig bliebe!

Aber ach, sein Zauber sinkt.

 

Und die Frische dieser Wangen,

Deines Herzens rege Gluth,

Und die ahnenden Verlangen,

Die am Wink der Hoffnung hangen -

Ach, ein fliehend, fliehend Gut!

 

Selbst die Blüthe Deines Strebens,

Aller Musen schönste Gunst,

Jede höchste Kunst des Lebens,

Freund, Du fesselst sie vergebens;

Sie entschlüpft, die Zauberkunst.

 

Aus dem Meer der Götterfreuden

Ward ein Tropfe uns geschenkt,

Ward gemischt mit manchem Leiden,

Leerer Ahnung, falschen Freuden,

Ward im Nebelmeer ertränkt.

 

Aber auch im Nebelmeere

Ist der Tropfe Seligkeit;

Einen Augenblick ihn trinken,

Rein ihn trinken und versinken,

Ist Genuß der Ewigkeit.


Das Gedicht "Das Flüchtigste" stammt von   (1744 - 1803).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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