Chloe und Damon.

 

Chloe.

 

Siehst du die schnellen Wolken ziehn?

Schon donnerts hinter jenen Wäldern,

Schon wird es Nacht auf unsern Feldern:

Komm, liebster Damon, laß uns fliehn.

 

Damon.

 

Der Donner schweigt, wenn Chloe spricht.

Wir wollen jede Furcht verbannen;

Der Himmel droht nur den Tyrannen,

Auf unsre Küsse zürnt er nicht.

 

Chloe.

 

Ihr Götter! rührt auf dieser Flur

Euch noch die Unschuld armer Hirten:

Schont, o verschonet jene Myrthen,

Sie hörten meines Damons Schwur.

 

Damon.

 

Ich schwur ihr Liebe bis ins Grab:

Ihr Blitze hörts, um sie zu rächen;

Und könnt′ ich je die Schwüre brechen,

So fahrt auf dieses Haupt herab!

 

Chloe.

 

Ihr fürchterlichen Blitze, nein!

Sollt′ ihn der Liebe Schwur gereuen,

Ach! so verzeiht dem Ungetreuen,

Und lasset mich das Opfer seyn.


Das Gedicht "Das Gewitter" stammt von   (1740 - 1814).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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