Deine Kniee sind scharf und überaus flüchtig.

Deine Brust ist voll heißer Ranken unzüchtig.

 

Dein Leib schlägt weiße Bogen und schnellt sich durchs Zimmer.

Deine Lippen sind Blutegel in bläulichem Schimmer.

 

Deine satten Lippen, wie sie sich strotzend ringeln!

Wenn du küssest, wühlt sich dein Haupt ein bis zu den Lockenkringeln.

 

Höre, du mein Zögling, Gesell und Buhlknabe,

Was ich hinter deinen auftrotzenden Augensternen erschaut habe:

 

Du willst meine Hände, die sich in Weisheit falten,

Einnehmen mit allen Sturm- und Honiggewalten.

 

Du willst, daß meine hochtrabende Asketengebärde

Vor deiner rotperlenden Lachgier zu Schanden werde.

 

Du willst, daß mein Füllhorn, aus dem die Flüsse rauschen

Zum Streitschuh werde, um den wir Küsse tauschen.

 

Deine Lippen begehren wie Kitzenmäuler

Ihre eifrigen Zähnchen zu wetzen.

 

Meine Finger sollen zehn springende Fohlen sein,

Die über Zäune und Sträucher setzen.


Das Gedicht "Buddha und der Knabe" stammt von   (1886 - 1927).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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