So sterben wir, so sterben wir.

Wir sterben alle Tage,

Weil es so gemütlich sich sterben läßt.

Morgens noch in Schlaf und Traum

Mittags schon dahin.

Abends scho zuunterst im Grabe drin.

 

Die Schlacht ist unser Freudenhaus.

Von Blut ist unsere Sonne.

Tod ist unser Zeichen und Losungswort.

Weib und Kind verlassen wir -

Was gehen sie uns an?

Wenn man sich auf uns nur

Verlassen kann.

 

So morden wir, so morden wir.

Wir morden alle Tage

Unsre Kameraden im Totentanz.

Bruder, reck dich auf vor mir,

Bruder, deine Brust

Bruder, der du fallen und sterben mußt.

 

Wir murren nicht, wir knurren nicht,

Wir schweigen alle Tage,

Bis sich vom Gelenke das Hüftbein dreht.

Hart ist unsere Lagerstatt

Trocken unser Brot.

Blutig und besudelt der liebe Gott.

 

Wir danken dir, wir danken dir,

Herr Kaiser, für die Gnade,

Daß du uns zum Sterben erkoren hast.

Schlafe nur, schlaf sanft und still,

Bis dich auferweckt,

Unser armer Leib, den der Rasen deckt.


Das Gedicht "Totentanz" stammt von   (1886 - 1927).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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