Ein roter Himmel von Bukarest nach Paris:

Dein Körper ist über und über voll schwarzer Augen.

Wir legen die Hände gegeneinander wie große Fächer, wenn wir uns lieben.

Dein Blinddarm ist krank, davon bist du sehr gelb.

 

Fliedersträuße wachsen aus deinen Ohren.

Dein ganzer Kopf ist voll Flieder. Aufgezäumt bist du mit Flieder.

Deine Augenwimpern zucken und schlagen gleich Schmetterlingsflügeln.

Deine Nase ist einer Klaviertaste sehr ähnlich.

 

Tanzende Hände hast du, Töchterchen.

Dein schmales Becken bewegt sich, wenn du an meiner Seite flatterst,

Sanftsüchtig gegen den Wind. Die großen glühenden Frauen liebst du.

In deinem Lächeln lallen Apachenlieder.

 

In Constanza heulte das Meer deinen Ohren.

Deine Finger stechen wie Dolche klirrende Glissandos in die Luft.

Deine Zunge ist roter Kopf einer Schlange, brennender Docht einer Lampe.

Auf deinem Schatten, Cimio, purzeln die kleinen Teufel

Wie schnalzende Fische, die man vom Bottich aufs Trockene schüttet.


Das Gedicht "Cimio" stammt von   (1886 - 1927).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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