O wir sind einsam –

Grenzenlos einsam!

 

Brüder! Meine Brüder!

Habt ihr bedacht schon:

Wie einsam wir sind?

 

Wir rollen dahin

In engen Bezirken,

Und ob wir auch tasten –

Mit pochendem Geistesfinger tasten

An die Pforten des Alls:

Unserer Weltennachbarn

Kein einziger spürt uns . . .

 

Sie kreisen und kreisen –

Und ob wir auch träumen,

Daß durch die Himmel

Ein einiges Ahnen

Geflügelt sich schwingt –

Auf Strahlenbrücken

Von Stern zu Stern

Bewußtsein trägt

Und brünstig wirbt,

Tiefen erwühlend,

Um der Botschaft Erhörung:

 

Brüder! O meine Brüder!

Es ist nur ein Traum,

Und keine der Leuchten,

Der Myriaden Leuchten,

Die unser Auge gebiert,

Erhört unserer Träume

Rauschenden Flügelschlag . . .

 

Sie sind alle so blind . . .

Sie sind alle so taub . . .

Und der sie bewegt,

Der urgeborene Geist,

Gab ihnen das Leben, –

Doch Leben heißt Grenze . . .

 

Aber der Tod ist der Meister,

Der da säet Staub und erntet Staub

Und über uns Alle,

Die menschengezeugt,

Hat sich der Cypresse Trauerlaub

Herabgebeugt! . . .

 

Und wir trauern . . .

Wir trauern.

Denn die Himmel sind leer,

Ob sie auch leuchten . . .

 

Wir wollen uns lieben, meine Brüder,

Denn wir sind einsam . . .

 

Wohl leuchten die Himmel,

Und ihr Leuchten berückt

Uns die Seele so ganz.

 

Und sie heben hinaus uns

Ueber irdische Kleinheit,

Den Engpaß des Lebens . . .

 

Doch wir sind sterblich.

 

Drum wollen wir heimkehren, meine Brüder,

Und wollen uns lieben

Mit geläuterten Sinnen . . .

 

Denn wir sind einsam . . .


Das Gedicht "Erdeinsamkeit" stammt von   (1862 - 1890).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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