Jetzt wohin? Der dumme Fuß

will mich gern nach Deutschland tragen;

doch es schüttelt klug das Haupt mein Verstand

und scheint zu sagen:

 

Zwar beendigt ist der Krieg,

doch die Kriegsgerichte blieben,

und es heißt, du habest einst

viel Erschießliches geschrieben.

 

Das ist wahr, unangenehm

wär mir das Erschossenwerden;

bin kein Held, es fehlen mir

die pathetischen Gebärden.

 

Gern würd ich nach England gehen.

wären dort nicht Kohlendämpfe

und Engländer - schon ihr Duft

gibt Erbrechen mir und Krämpfe.

 

Manchmal kommt mir in den Sinn

nach Amerika zu segeln,

nach dem großen Freiheitsstall,

der bewohnt von Gleichheitsflegeln -

 

doch es ängstet mich ein Land,

wo die Menschen Tabak käuen,

wo sie ohne König kegeln,

wo sie ohne Spuknapf speien.

 

Rußland, dieses schöne Reich

könnte mir vielleicht behagen,

doch im Winter könnte ich

dort die Knute nicht ertragen.

 

Traurig schau ich in die Höh,

wo viele tausend Sterne nicken -

aber meinen eignen Stern

kann ich nirgends dort erblicken.

 

Hat im güldnen Labyrinth

sich vielleicht verirrt am Himmel

wie ich selber mich verirrt

in dem irdischen Getümmel. -


Das Gedicht "Jetzt wohin?" stammt von (* 1797-12-13, † 1856-02-17).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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