Jedweder Geselle, sein Mädel am Arm,

Durchwandelt die Lindenreihn;

Ich aber, ich wandle, daß Gott erbarm,

Ganz mutterseelenallein.

 

Mein Herz wird beengt, mein Auge wird trüb,

Wenn ein andrer mit Liebchen sich freut.

Denn ich habe auch ein süßes Lieb,

Doch wohnt sie gar ferne und weit.

 

So manches Jahr ich getragen hab,

Ich trage nicht länger die Pein,

Ich schnüre mein Bündlein, und greife den Stab,

Und wandr in die Welt hinein.

 

Und wandre fort manch hundert Stund,

Bis ich komm an die große Stadt;

Sie prangt an eines Stromes Mund,

Drei keckliche Türme sie hat.

 

Da schwindet bald mein Liebesharm,

Da harret Freude mein;

Da kann ich wandeln, feins Liebchen am Arm,

Durch die duftigen Lindenreihn.


Das Gedicht "Sehnsucht" stammt von (* 1797-12-13, † 1856-02-17).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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