Ich liebe die, die nicht zu leben wissen …

Der Narrheit Raum! Wer hilft mir Berge ebnen!
Mein Wille ist ein Kreislauf, der nie endet.
Dem mühvoll Nutzlosen und dem Vergebnen
Hab ich mit Leib und Leben mich verpfändet.

Mein Hirn gab ich dem Wahn zum Herrensitze,
Von Truggebilden ist mein Blick umflimmert.
Ich klettre mittags auf die Kirchturmspitze,
Weil sie so golden in der Sonne schimmert.

Gestreckten Laufs und nimmermüden Fusses,
Zum Horizont, der immer wieder schwindet,
Folg ich den Krümmungen des raschen Flusses,
Bis er sein Bett im fernen Meere findet.

In Hass und Liebe ohne Mass und Grenzen,
In Überschwang und Frevel ohne Reue,
Lass ich mein Gold vor blöden Augen glänzen
Und werfe meine Perlen vor die Säue.

Blind hängt mein Torenherz an seinem Bunde.
Die Tage geb ich hin verlornem Sinnen
Und lass mir nachts aus einer offnen Wunde
Heimlich, zum Spass, die roten Tropfen rinnen.


Das Gedicht "Lied eines Toren" stammt von   (1864 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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