Die Sonne steht schon tief. Wir scheiden bald.

Leis sprüht der Regen. Horch! Die Meise klagt.

Wie dunkel und verschwiegen ist der Wald!

Du hast das tiefste Wort mir nicht gesagt.-

 

Zwei helle Birken an der Waldeswand.

Ein Spinngewebe zwischen beiden, sieh!

Wie ist es zart von Stamm zu Stamm gespannt!

Was uns zu tiefst bewegt, wir sagen′s nie.-

 

Fühlst du den Hauch? Ein Zittern auf dem Grund

Des Sees. Die glatte Oberfläche bebt.

Wie Schatten weht es auch um unsern Mund-

Wir haben wahrhaft nur im Traum gelebt.-


Das Gedicht "Spaziergang" stammt von   (1864 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte