Alte Linden hier im grünen Grunde,

Mächtige! in euern Schattenbann

Trete recht mit Ehrfurcht ich heran,

Wie ein Knecht in eine Fürstenrunde.

 

Stärker als wir flüchtig stolzen Wichte

Gebt ihr schon dreihundert Jahre lang

Eure feste Form dem Lebensdrang,

Der aus dunklen Tiefen will zum Lichte.

 

Goldne Blüten, Früchte muß er tragen

Von der Art, die euern Stamm erfreut:

Dauernd so zu frischer Pracht erneut

Steht ihr heute wie in alten Tagen.

 

Und durch euer jüngstes Ehrenkleid

Rauscht die Weisheit, die ihr still erworben,

Rauscht Gedächtnis dessen, was erstorben

Rings um euch im Wechselsturm der Zeit.

 

Auch wenn mich der Herbst von hinnen nahm,

Werdet ihr noch ungebrochen dauern,

Wird durch euer Laub das Schicksal schauern

Eines Wandrers, der einst zu euch kam:

 

Der wie ihr die reiche Lebensflut

In sein eignes Fühlen fassen wollte,

Der geformt, soviel er formen sollte,

Und nun tief von Lust und Mühen ruht.


Das Gedicht "Die Linden von Zellerburg" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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