Im Abendgoldbrand

Lohen die Fenster,

Brennen die Giebel,

Glühen die Wolken,

Wundergleich...

 

Was scheidest du so feierlich,

Sinkende Sonne?

Von unsern schlichten Tagen

Ein schlichtester ging hin -

Was ist geschehn,

Was hast du vollbracht,

Daß ein Fanal du zündest,

Wie's ungeheurer Tat,

Wie's Götterfesten ziemt?

 

"Millionen Wesen weckt' ich

Aus allen Erdenfugen

Heute zu Leben und Licht -

Millionen Müde streckt' ich,

Weil sie mich nimmer ertrugen,

Nieder zum letzten Verzicht!

Unzählige, die ich geschaffen,

Führt' ich in Kränzen und Waffen

Heute zur höchsten Lust -

Unzählige, die mir nicht minder

Liebe und würdige Kinder,

Hab' ich mit hundert Qualen

Heut' martern gemußt..

 

Der Tag war groß und schwer:

Und groß und hehr

Soll er

Verstrahlen!"


Das Gedicht "Abendfeier" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:

 

Weitere gute Abendgedichte zum schmökern.

 



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte