Ein Küßchen, das ein Kind mir schenket,

Das mit den Küssen nur noch spielt,

Und bei dem Küssen noch nichts denket,

Das ist ein Kuß, den man nicht fühlt.

 

Ein Kuß, den mir ein Freund verehret,

Das ist ein Gruß, der eigentlich

Zum wahren Küssen nicht gehöret:

Aus kalter Mode küßt er mich.

 

Ein Kuß, den mir mein Vater gibet,

Ein wohlgemeinter Segenskuß,

Wenn er sein Söhnchen lobt und liebet,

Ist etwas, das ich ehren muß.

 

Ein Kuß von meiner Schwester Liebe

Steht mir als Kuß nur so weit an,

Als ich dabei mit heißerm Triebe

An andre Mädchen denken kann.

 

Ein Kuß, den Lesbia mir reichet,

Den kein Verräter sehen muß,

Und der dem Kuß der Tauben gleichet;

Ja, so ein Kuß, das ist ein Kuß.


Das Gedicht "Die Küsse (1)" stammt von   (1729 - 1781).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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