Ich trink′, und trinkend fällt mir bei,

Warum Naturreich dreifach sei.

Die Tier′ und Menschen trinken, lieben,

Ein jegliches nach seinen Trieben:

Delphin und Adler, Floh und Hund

Empfindet Lieb′, und netzt den Mund.

Was also trinkt und lieben kann,

Wird in das erste Reich getan.

 

Die Pflanze macht das zweite Reich,

Dem ersten nicht an Güte gleich:

Sie liebet nicht, doch kann sie trinken;

Wenn Wolken träufelnd niedersinken,

So trinkt die Zeder und der Klee,

Der Weinstock und die Aloe.

Drum, was nicht liebt, doch trinken kann,

Wird in das zweite Reich getan.

 

Das Steinreich macht das dritte Reich;

Und hier sind Sand und Demant gleich:

Kein Stein fühlt Durst und zarte Triebe,

Er wächset ohne Trunk und Liebe.

Drum, was nicht hebt noch trinken kann,

Wird in das letzte Reich getan.

Denn ohne Lieb′ und ohne Wein,

Sprich, Mensch, was bleibst du noch? – – Ein Stein.


Das Gedicht "Die drei Reiche der Natur" stammt von   (1729 - 1781).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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